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Mei, was is bloß aus mir wordn

Erstveröffentlichung

Inwendig warm (1984)

Musik und Text

Konstantin Wecker
Konstantin Wecker

Abdruckrechte

Sturm & Klang Musikverlag GmbH / Chrysalis Music Holdings GmbH / Alisa Wessel Musikverlag

Hörbeispiel

Studio 1984

Schaugn o, den Affn, wiaras oschaugt. Klugscheißer. I möcht gar ned wissn, was er ihr da verzählt. Er schaugt ja ganz guat aus. Sagt man. Figürlich gibt er natürlich nicht viel her. Viel zu schmal um die Schultern. Na ja, a paar Gramm weniger hat er schon wia i. Aber so mager ist ja auch nicht mehr schön. Und wiara sich aufplustert. Und des gfallt ihr a no. Mei omei - des hab i jetzt von meiner Gewaltlosigkeit. Früher, früher da hätt i mi aufgführt, da hätti as Plärrn ogfanga, da, da war i umanandaghupft wiara Irra. Ich hätts rauslassn. Aber nein, ich weiß ganz genau, was ich jetzt tu. Ich geh wie zufällig vorbei, streichle meiner Frau über die Wange und flöte: "Amüsierst du dich gut, Mausi?""

Mei, was is bloß aus mir wordn,
früher war i so lebendig,
weil, da bin i oiwei gstorbn,
und jetzt leb i so beständig.

Mei arme Frau. Neulich hats ihrer Freundin verzählt: "Jetzt hab ich so einen energetischen Mann geheiratet. Alle schwärmen sie von seiner Leidenschaft. Wennsn ned näher kenna. Weil eigentlich is er bloß dauernd miad." Is ja wahr. Richtig brav bin i wordn. Nick freundlich nach rechts und links, lach brav, wenns sein muß, engagiere mich fürs Richtige und probe die Sanftmut. Dabei hab i mi immer scho aufgeregt über die, die wo scho Gandhi sei wolln, kurz bevors no aus die Windeln rausschaun könna. Ich glaub, ich spiel mir jemand vor, der ich sein möcht, weil ich mich gern so sehn würd. Das fördert das Ansehen, aber das Leben bleibt dabei auf der Streckn.

Bevor i mi a Frau in d´Arm nehma trau, überleg ich mir zuerst a halbe Stund lang, inwieweit ich sie unterdrücke, wenn ich mich mal auf sie lege. Na ja, meistens lauft dann eh nix mehr, und ich kann mich mit ruhigem Gewissen davonschleichen. Es ist ja wichtig, daß ma dauernd über sich nachdenkt, aber wenn am dabei die ganze Lust an der Freud verloren geht - i woaß ned - manchmal, manchmal, manchmal möcht i...

Mei, was is bloß aus mir wordn,
früher war i so lebendig,
weil, da bin i oiwei gstorbn,
und jetzt leb i so beständig.

A jeder Eishockeyspieler kriagt sei Auszeit, wenn er erschöpft ist. Oder wenn er an Fehler gmacht hat. Die braucht er. Da hoit er Kraft. I glaub, i brauch jetzt a mal a Auszeit von mir selber. Vom Gutsein. Vom Stimmigsein. Wieder raus auf d´Straßn. Raus auf d´Straßn, rein in die Schluchtn und ois eireißn. Und wenns nur im Hirn is: schändn, brandschatzn, raubn, spielen, leben, lieben, des is ois im Schädl drin, und da muaß des a wieder raus. I möcht mi wieder kranklacha könna über mi selber, i möcht nicht mehr richtig sein, eine Zeitlang nicht mehr funktionieren.

Und alle die Zeigefinger, die, die immer vui besser wissn, wia i sei sollt, was i doa sollt, die solln ma an Buckel obarutschn. Obs von obn komma oder von untn, von vorn oder von hintn, obs Politiker san oder Wanderprediger san, Anzüg oham oder Pumphosn, langhaarig oder kurzhaarig, picklig, glattrasiert oder unrasiert: I suach ma mein Platz in dera Welt wieder selba aus - ihr könnts as Leben eigsperrt ham in Karteikästen, Parteiprogramme, Paragraphen oder Heilslehren - i laß es wieder raus.

I werd mitten in d´Sonna neihupfn,
a wenn i verbrenn.
Hauptsach: I brenn.

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Zwei Konzerte von Konstantin Wecker am 2. und 10. Oktober 2020 

mit MusikerInnen seines Labels Sturm & Klang

 

Medienpartner

Spenden-Aufruf: Wir brauchen Eure Hilfe!

für die Streaming-Konzerte am 2.10.2020 und am 10.10.2020 jeweils um 20:30 Uhr | 

live & relive auf br.de/kultur, YouTube WeckersWelt & www.wecker.de

 

Liebe Freundinnen, liebe Freunde,

wir brauchen dringend eure Hilfe und deshalb bitte ich euch erneut um Unterstützung: Ihr wisst es ja alle, die Covid-19-Pandemie trifft besonders viele freie KünstlerInnen und MusikerInnen sehr hart. Leider wird es nun auch in den nächsten Monaten kaum Live-Konzerte geben können und wenn, dann nur mit wenigen ZuschauerInnen und damit sehr geringen Einkünften. Viele meiner KollegInnen wissen längst nicht mehr, von was sie in den nächsten Monaten ihre Mieten bezahlen sollen und wie es überhaupt weiter geht. Und außerdem haben wir alle eine große Sehnsucht nach unseren Liedern und unseren Fans!

Deshalb will ich gemeinsam mit vielen MusikerInnen meines Labels Sturm & Klang endlich wieder für euch spielen und singen: Am Freitag, dem 2. Oktober, und am Samstag, dem 10. Oktober 2020 jeweils um 20.30 Uhr bei zwei großen kostenlosen Streaming-Konzerten.

Mit mir auftreten werden KünstlerInnen meines Labels Sturm & Klang wie Tamara Banez, Miriam Green, Sarah Straub, Josef Hien, Vivek, Prinzessin & Rebell Erwin R. und Dominik Plangger: Sie werden alle jeweils ein Lied von mir – manchmal auch mit mir ­– und ein eigenes singen.

Ich werde erneut umsonst spielen, noch geht es bei mir: Doch für meine KollegInnen und vor allem für alle, die zum Gelingen eines Konzertes so überlebenswichtig sind wie unsere Studio- und Ton-TechnikerInnen, unsere Kameraleute und unser Team vom Regisseur bis zum Redakteur, brauche ich eure Spenden, damit wir die Unkosten und ihre Honorare, auf die sie angewiesen sind, decken können.     

Dank eurer großartigen Unterstützung konnten wir im März, April und Mai bereits drei tolle kostenlose Live-Streaming-Konzerte organisieren: Fast 325.000 Mal wurden diese drei Konzerte bisher angeschaut. Dazu kommen fast 140.000 BesucherInnen beim Live-Mitschnitt meines Willy 2020 - sie sind übrigens alle weiterhin auf wecker.de kostenlos abrufbar! Fast 70.000 € Spenden von euch haben damals unseren Studio- und TontechnikerInnen, aber vor allem auch den an den drei Konzerten beteiligten KünstlerInnen extrem geholfen, den Lockdown zu überstehen. Darüber hinaus konnten wir weitere notleidende KünstlerInnen meines Labels und humanitäre Projekt mit 27.500 € unterstützen.  

Leider wird in der aktuellen Krise vor allem wieder einmal die Luftfahrt-, Auto- und Rüstungsindustrie von unseren Steuergeldern unterstützt. Der freien und unabhängigen Kunst- und Kulturszene droht dagegen schon bald der Kampf ums nackte Überleben. Die Hilfen sind bisher meist Flickwerk. Und warum? Weil der Aufruf vieler PolitikerInnen zur „Solidarität“ leider nicht für alle gilt: Wann wird eigentlich endlich von all den vielen Immobilien-Investment-Gesellschaften und EigentümerInnen „gesellschaftliche Solidarität“ eingefordert? Während die einen ohne Einkommen immer ärmer werden, profitieren die anderen einfach weiter. Wäre es zu viel verlangt, wenn die Besitzenden bis zum Ende der Pandemie auf ihre ohnehin unverschämt teuren Mieten verzichten müssen? Das wäre eine sinnvolle Maßnahme gegen die sozialen Auswirkungen einer einzigartigen Pandemie: Wie viele Kulturprojekte, Clubs und KünstlerInnen würden diese Krise überstehen können, wenn sie nicht ihre letzten Reserven Miethaien in den Rachen werfen müssten (ich spreche nicht von privaten Vermietern, die hoffentlich schon längst ihren langjährigen Mietern von sich aus einen großzügige Mietnachlass gewährt haben)? Auch dafür wollen wir singen! 

Ich danke euch und freu mich unbandig auf unsere beiden Konzerte Anfang Oktober. Und wenn ihr uns mit einigen oder auch vielen Euros unterstützen könntet, würde uns das sehr helfen!

Euer

Konstantin

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