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Guttiland

Musik und Text

Konstantin Wecker
Konstantin Wecker

Abdruckrechte

Sturm & Klang Musikverlag GmbH / Alisa Wessel Musikverlag

Hörbeispiel

Neulich träumte mir, ich wär’ beim AC/DC-Coverband-Event,
und da traf ich ihn, den man »den Schönen« nennt,
den Kriegsminister mit gegeltem Haar,
den Bankenretter, den Superstar.

Er war zwar verkleidet, cooles T-Shirt und so,
doch ich ließ mich nicht täuschen, folgte ihm aufs Klo.
»Hey Leute!« rief ich. »Spielt ihm mal ’nen Tusch!
Der verteidigt Deutschland am Hindukusch!«

BRING UNS DEN TOTALEN KRIEG!
ALLE ZEICHEN STEHN AUF SIEG!
GUTTI BRINGT DAS LAND VORAN –
NICHT NUR IN AFGHANISTAN!

Die Band spielte gleich mal den Bayerndefilier.
Ein paar Neonazis standen auch sofort Spalier.
Doch von und zu Gutti, ich werd’ das nie vergessen,
sank verzweifelt zu Boden und flennte wie besessen:

»Ich bin doch der Kämpfer des freien Markts
und nicht der Verwalter des Afghanistaninfarkts.
Was soll’n jetzt die Banken nur von mir denken?
Ich wollte ihnen doch noch Steuergelder schenken!«

Nur Kriegsminister? Der Gutti bereut’s.
Statt Banken-Bonus nur ein eisernes Kreuz.
Statt Aufsichtsratsposten – Feldlageragonie
und ’ne Gratifikation von der Waffenindustrie.

Ich sagte: »Hey Gutti, das ist es doch!
Du wirst jetzt Vorstand bei Heckler und Koch.
Die verscherbeln deutsche Waffen in die ganze Welt.
Bei denen kommst du an – da hockt das Geld.«

Da herrschte er mich an: »Halt’s Maul, du Zivilist.
Bist wohl auch so ein singender Kryptokommunist.
Nimm Haltung an, sonst ist bald Schluß,
und wir schicken ein Geschwader wie im Sommer in Kundus.

ICH BRING’ EUCH DEN TOTALEN KRIEG!
ALLE ZEICHEN STEH’N AUF SIEG!
GUTTIGUTTI BRINGT DAS LAND VORAN –
NICHT NUR IN AFGHANISTAN!

Ich dachte mir: »Mensch, dem Gutti geht’s nicht gut.
Ist das noch der fesche Bursch, der stets so in sich ruht?
Der schöne, korrekte mit der schmalzigen Tolle,
der ist ja auf einmal ganz von der Rolle!«

Und ich sagte: »Du Freiherr von von und zu,
jetzt laß es gutsein und gib wieder Ruh.«
Da schrie er mich an: »Ich bin bar jeden Tadels,
ich bin die schreckliche Rache des Adels!
Und wir übernehmen schon in diesem Moment
mit einem Staatsstreich das Parlament!«

Schon steigt aus Hohenzollern Prinz Foffi hervor.
Er kennt sich aus mit fast jedem Ressort.
Er hat auch kompetente Partner dabei,
Tatjana Gsell und Kerner und RTL 2!
Ernst August von Hannover, der zornige Mann,
der pinkelt bereits den Reichstag an.
Daß der Guido nicht adlig ist, läßt sich verschmerzen.
Er ist doch jetzt schon die Königin der Herzen.

Und Kaiserin wird auf Empfehlung Ratzis
Prinzessin Gloria von Thurn und Taxis.
Die ist nicht wie Merkel dem Sinnlichen fern.
Sie macht’s wie der Neger und schnackselt gern.

DIE BRINGT UNS DEN TOTALEN KRIEG!
ALLE ZEICHEN STEH’N AUF SIEG!
NUR WER SCHNACKSELT BRINGT DAS LAND VORAN –
NICHT NUR IN AFGHANISTAN!

Und an dieser Stelle – es ist mir fast peinlich –
vielleicht war mein Blick auch etwas kleinlich,
doch ich bemerkte eine kleine Versteifung
des Freiherrn angesichts der Machtergreifung.

Ich dachte mir: »Irgendwie ist es um ihn schade«
und schenkte ihm zum Abschied ’ne Tube Pomade.
Ich sagte: »Hey, Freiherr, stell dich nicht so an.
Heiz ihnen ein, den Taliban!

Und drückt dich mal wieder ein Massaker nieder,
dann denk dran, es gibt ja noch Al-Qaida.
Wo sie auch ist, und wer sie auch sei,
sie entschuldigt schon lange jede Schweinerei.«
»O.k. Alter«, sagt er, »nix für ungut.
Ich hoffe du verzeihst mir meinen Unmut.
Ich bin zwar ein Mann mit Anstand und Schliff,
aber manchmal hat der Adel sich nicht im Griff.

Da ist mir jetzt etwas aus dem Ruder gelaufen.
Hier hast’n Euro – geh dich besaufen.
Tu mir ’nen Gefall’n: Bequatsch mich nie mehr wieder.
Schreib einfach weiter deine linken Lieder.
Die tun uns nicht weh. Wer da applaudiert,
kann auch nicht verhindern, daß Deutschland marschiert.

DENN ICH BRING’ EUCH DEN TOTALEN KRIEG!
ALLE ZEICHEN STEH’N AUF SIEG!
GUTTIFRUTTI BRINGT DAS LAND VORAN –
NICHT NUR IN AFGHANISTAN!«

Dann ließ er mich steh’n, und ich lallte wie besoffen:
»Ich hab’ ’nen wahrhaftigen Freiherrn getroffen!!«
Aber ich bin ja nur ein alpträumender Sänger
und Gutti ganz bestimmt nur sein Doppelgänger.

Wir können voll Hoffnung in die Zukunft schauen,
einem Mann wie Schäuble kann man trauen.
Der hat unser Schwarzgeld sicher im Griff.
Und Guttiland ist kein sinkendes Schiff,
kein sinkendes Schiff.

Nachdruck und jedwede weitere Veröffentlichung nur mit ausdrücklicher schriftlicher Genehmigung der Rechteinhaber!

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Zwei Konzerte von Konstantin Wecker am 2. und 10. Oktober 2020 

mit MusikerInnen seines Labels Sturm & Klang

 

Medienpartner

Spenden-Aufruf: Wir brauchen Eure Hilfe!

für die Streaming-Konzerte am 2.10.2020 und am 10.10.2020 jeweils um 20:30 Uhr | 

live & relive auf br.de/kultur, YouTube WeckersWelt & www.wecker.de

 

Liebe Freundinnen, liebe Freunde,

wir brauchen dringend eure Hilfe und deshalb bitte ich euch erneut um Unterstützung: Ihr wisst es ja alle, die Covid-19-Pandemie trifft besonders viele freie KünstlerInnen und MusikerInnen sehr hart. Leider wird es nun auch in den nächsten Monaten kaum Live-Konzerte geben können und wenn, dann nur mit wenigen ZuschauerInnen und damit sehr geringen Einkünften. Viele meiner KollegInnen wissen längst nicht mehr, von was sie in den nächsten Monaten ihre Mieten bezahlen sollen und wie es überhaupt weiter geht. Und außerdem haben wir alle eine große Sehnsucht nach unseren Liedern und unseren Fans!

Deshalb will ich gemeinsam mit vielen MusikerInnen meines Labels Sturm & Klang endlich wieder für euch spielen und singen: Am Freitag, dem 2. Oktober, und am Samstag, dem 10. Oktober 2020 jeweils um 20.30 Uhr bei zwei großen kostenlosen Streaming-Konzerten.

Mit mir auftreten werden KünstlerInnen meines Labels Sturm & Klang wie Tamara Banez, Miriam Green, Sarah Straub, Josef Hien, Vivek, Prinzessin & Rebell Erwin R. und Dominik Plangger: Sie werden alle jeweils ein Lied von mir – manchmal auch mit mir ­– und ein eigenes singen.

Ich werde erneut umsonst spielen, noch geht es bei mir: Doch für meine KollegInnen und vor allem für alle, die zum Gelingen eines Konzertes so überlebenswichtig sind wie unsere Studio- und Ton-TechnikerInnen, unsere Kameraleute und unser Team vom Regisseur bis zum Redakteur, brauche ich eure Spenden, damit wir die Unkosten und ihre Honorare, auf die sie angewiesen sind, decken können.     

Dank eurer großartigen Unterstützung konnten wir im März, April und Mai bereits drei tolle kostenlose Live-Streaming-Konzerte organisieren: Fast 325.000 Mal wurden diese drei Konzerte bisher angeschaut. Dazu kommen fast 140.000 BesucherInnen beim Live-Mitschnitt meines Willy 2020 - sie sind übrigens alle weiterhin auf wecker.de kostenlos abrufbar! Fast 70.000 € Spenden von euch haben damals unseren Studio- und TontechnikerInnen, aber vor allem auch den an den drei Konzerten beteiligten KünstlerInnen extrem geholfen, den Lockdown zu überstehen. Darüber hinaus konnten wir weitere notleidende KünstlerInnen meines Labels und humanitäre Projekt mit 27.500 € unterstützen.  

Leider wird in der aktuellen Krise vor allem wieder einmal die Luftfahrt-, Auto- und Rüstungsindustrie von unseren Steuergeldern unterstützt. Der freien und unabhängigen Kunst- und Kulturszene droht dagegen schon bald der Kampf ums nackte Überleben. Die Hilfen sind bisher meist Flickwerk. Und warum? Weil der Aufruf vieler PolitikerInnen zur „Solidarität“ leider nicht für alle gilt: Wann wird eigentlich endlich von all den vielen Immobilien-Investment-Gesellschaften und EigentümerInnen „gesellschaftliche Solidarität“ eingefordert? Während die einen ohne Einkommen immer ärmer werden, profitieren die anderen einfach weiter. Wäre es zu viel verlangt, wenn die Besitzenden bis zum Ende der Pandemie auf ihre ohnehin unverschämt teuren Mieten verzichten müssen? Das wäre eine sinnvolle Maßnahme gegen die sozialen Auswirkungen einer einzigartigen Pandemie: Wie viele Kulturprojekte, Clubs und KünstlerInnen würden diese Krise überstehen können, wenn sie nicht ihre letzten Reserven Miethaien in den Rachen werfen müssten (ich spreche nicht von privaten Vermietern, die hoffentlich schon längst ihren langjährigen Mietern von sich aus einen großzügige Mietnachlass gewährt haben)? Auch dafür wollen wir singen! 

Ich danke euch und freu mich unbandig auf unsere beiden Konzerte Anfang Oktober. Und wenn ihr uns mit einigen oder auch vielen Euros unterstützen könntet, würde uns das sehr helfen!

Euer

Konstantin

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