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Däumlingsgesetze

Erstveröffentlichung

Am Flussufer (2005)

Musik und Text

Gerd Baumann
Konstantin Wecker

Abdruckrechte

Sturm & Klang Musikverlag GmbH / Chrysalis Music Holdings GmbH / Alisa Wessel Musikverlag

Hörbeispiel

Studio 2005

Herr von der Sonderhagen:
Herr Lichtenhäuser!
Ich habe es Ihnen mehrere hundert Mal gesagt und ich werde jetzt langsam böse:
Sie können nicht mit Ihrem Zweispänner durch meinen Garten fahren.
Abgesehen davon, dass mein Garten gerade mal vierhundert Meter im Quadrat misst,
zerstören Sie mir jedes Mal meine Blumenrabatte, und neulich haben Sie meine Frau fast auf die Hörner Ihrer Ziege genommen.

Herr Lichtenhäuser:
Aber Herr von der Sonderhagen.
Ich bin doch nur daumengroß und mein Zweispänner misst kaum eine Elle.
Ich bin doch nicht der Rede wert.

Herr von der Sonderhagen:
Und ob, Herr Lichtenhäuser!
Sie treiben ´s allzu bunt in letzter Zeit.
Ihre Zügellosigkeit ist mir schon länger ein Dorn im Auge.

Herr Lichtenhäuser:
Wohl hab ich meine Zügel fest in der Hand, Herr von der Sonderhagen.
Aber wenn meine Ziegen wiehernd durch Ihre Gräser jagen, berstend vor Lust und ungestüm, dann fühl´ ich mich frei und ohne Furcht, und ich habe ja nichts anderes als Ihren Garten, um mich zu erheben über Ihre Größe, Ihren Reichtum und Ihren Besitz, über Ihre schöne Frau und Ihre Blumenrabatte.
Ich habe nur meinen Zweispänner, der sich allzu oft im Dickicht Ihres englischen Rasens verliert und oft muss ich Monate warten, bis Sie mich und meine Ziegen aus Ihrem Kästchen auf die Terrasse setzen, während Ihre dicken Kinder mir Kuchenkrümel zuwerfen.
Wie oft musste ich um zusätzliche Luftlöcher betteln, ja mich erniedrigen, frivole Lieder singen, während Sie sich auf die Schenkel schlugen und Ihre Frau die Blockflöte blies.
Ich fordere Gerechtigkeit, Herr von der Sonderhagen, und wenn es sich denn nicht anders machen lässt: Satisfaktion!

Herr von der Sonderhagen:
Herr Lichtenhäuser, es gibt Mittel und Wege ...

Herr Lichtenhäuser:
... um mir den Mund zu verbieten, das fröhliche Ausreiten mit meinem Gespann?
Das ist sozusagen mein Grundrecht. Das ist gesetzlich verankert. Darf ich Sie daran erinnern?

Herr von der Sonderhagen:
Däumlingsgesetze, Herr Lichtenhäuser! Däumlingsgesetze!

Herr Lichtenhäuser:
Ja, da haben Sie wohl recht, Herr von der Sonderhagen.
Dann werd´ ich Ihnen besser wohl wieder die Nägel reinigen.

Herr von der Sonderhagen:
Das will ich Ihnen auch geraten haben, Herr Lichtenhäuser.
Sonst schwillt mir der Kamm!

Herr Lichtenhäuser:
Nicht schon wieder der Kamm, Herr von der Sonderhagen.
Alles, nur nicht schon wieder den Kamm schwellen lassen!
Das wäre mein sicherer Tod.

Herr von der Sonderhagen:
Sehen Sie, wir verstehen uns doch, Herr Lichtenhäuser.

Herr Lichtenhäuser:
Wie immer, Herr von der Sonderhagen, wie immer.

Nachdruck und jedwede weitere Veröffentlichung nur mit ausdrücklicher schriftlicher Genehmigung der Rechteinhaber!

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Konstantin Wecker

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Zwei Konzerte von Konstantin Wecker am 2. und 10. Oktober 2020 

mit MusikerInnen seines Labels Sturm & Klang

 

Medienpartner

Spenden-Aufruf: Wir brauchen Eure Hilfe!

für die Streaming-Konzerte am 2.10.2020 und am 10.10.2020 jeweils um 20:30 Uhr | 

live & relive auf br.de/kultur, YouTube WeckersWelt & www.wecker.de

 

Liebe Freundinnen, liebe Freunde,

wir brauchen dringend eure Hilfe und deshalb bitte ich euch erneut um Unterstützung: Ihr wisst es ja alle, die Covid-19-Pandemie trifft besonders viele freie KünstlerInnen und MusikerInnen sehr hart. Leider wird es nun auch in den nächsten Monaten kaum Live-Konzerte geben können und wenn, dann nur mit wenigen ZuschauerInnen und damit sehr geringen Einkünften. Viele meiner KollegInnen wissen längst nicht mehr, von was sie in den nächsten Monaten ihre Mieten bezahlen sollen und wie es überhaupt weiter geht. Und außerdem haben wir alle eine große Sehnsucht nach unseren Liedern und unseren Fans!

Deshalb will ich gemeinsam mit vielen MusikerInnen meines Labels Sturm & Klang endlich wieder für euch spielen und singen: Am Freitag, dem 2. Oktober, und am Samstag, dem 10. Oktober 2020 jeweils um 20.30 Uhr bei zwei großen kostenlosen Streaming-Konzerten.

Mit mir auftreten werden KünstlerInnen meines Labels Sturm & Klang wie Tamara Banez, Miriam Green, Sarah Straub, Josef Hien, Vivek, Prinzessin & Rebell Erwin R. und Dominik Plangger: Sie werden alle jeweils ein Lied von mir – manchmal auch mit mir ­– und ein eigenes singen.

Ich werde erneut umsonst spielen, noch geht es bei mir: Doch für meine KollegInnen und vor allem für alle, die zum Gelingen eines Konzertes so überlebenswichtig sind wie unsere Studio- und Ton-TechnikerInnen, unsere Kameraleute und unser Team vom Regisseur bis zum Redakteur, brauche ich eure Spenden, damit wir die Unkosten und ihre Honorare, auf die sie angewiesen sind, decken können.     

Dank eurer großartigen Unterstützung konnten wir im März, April und Mai bereits drei tolle kostenlose Live-Streaming-Konzerte organisieren: Fast 325.000 Mal wurden diese drei Konzerte bisher angeschaut. Dazu kommen fast 140.000 BesucherInnen beim Live-Mitschnitt meines Willy 2020 - sie sind übrigens alle weiterhin auf wecker.de kostenlos abrufbar! Fast 70.000 € Spenden von euch haben damals unseren Studio- und TontechnikerInnen, aber vor allem auch den an den drei Konzerten beteiligten KünstlerInnen extrem geholfen, den Lockdown zu überstehen. Darüber hinaus konnten wir weitere notleidende KünstlerInnen meines Labels und humanitäre Projekt mit 27.500 € unterstützen.  

Leider wird in der aktuellen Krise vor allem wieder einmal die Luftfahrt-, Auto- und Rüstungsindustrie von unseren Steuergeldern unterstützt. Der freien und unabhängigen Kunst- und Kulturszene droht dagegen schon bald der Kampf ums nackte Überleben. Die Hilfen sind bisher meist Flickwerk. Und warum? Weil der Aufruf vieler PolitikerInnen zur „Solidarität“ leider nicht für alle gilt: Wann wird eigentlich endlich von all den vielen Immobilien-Investment-Gesellschaften und EigentümerInnen „gesellschaftliche Solidarität“ eingefordert? Während die einen ohne Einkommen immer ärmer werden, profitieren die anderen einfach weiter. Wäre es zu viel verlangt, wenn die Besitzenden bis zum Ende der Pandemie auf ihre ohnehin unverschämt teuren Mieten verzichten müssen? Das wäre eine sinnvolle Maßnahme gegen die sozialen Auswirkungen einer einzigartigen Pandemie: Wie viele Kulturprojekte, Clubs und KünstlerInnen würden diese Krise überstehen können, wenn sie nicht ihre letzten Reserven Miethaien in den Rachen werfen müssten (ich spreche nicht von privaten Vermietern, die hoffentlich schon längst ihren langjährigen Mietern von sich aus einen großzügige Mietnachlass gewährt haben)? Auch dafür wollen wir singen! 

Ich danke euch und freu mich unbandig auf unsere beiden Konzerte Anfang Oktober. Und wenn ihr uns mit einigen oder auch vielen Euros unterstützen könntet, würde uns das sehr helfen!

Euer

Konstantin

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