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„Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg!“ Wir wollen menschliche und solidarische Alternativen aufbauen

09.09.2020

Liebe Freundinnen, liebe Freunde!

Von Anfang an habe ich gemeinsam mit vielen Freundinnen und Freunden für eine globale und solidarische Bekämpfung der Pandemie und ihrer gesundheitlichen, menschlichen und sozialen Folgen gestritten. Wir haben die verantwortlichen PolitikerInnen offen kritisiert für ihre Versäumnisse und Fehler. Wir haben solidarische Konzepte gefordert. Und wir haben vor rechten Menschenfängern und der verantwortungslosen Leugnung von Fakten gewarnt. Denn in unserem Kampf gegen den Abbau von Grundrechten dürfen wir uns nie mit Rechten gemein machen, deren Ziel letztlich schon immer die vollständige Abschaffung aller Grund-, Menschen- und Freiheitsrechte war und ist.     

Meine Positionen könnt ihr alle hören und sehen zum Beispiel bei meiner aktuellen Version des Liedes Willy 2020 (https://www.youtube.com/watch?v=wgjdX8IQoPE), meinen kostenlosen Livestream-Konzerten (links auf wecker.de und bei weckerswelt auf Youtube) und unserer Demonstration break isolation Anfang Mai vor dem Bayerischen Innenministerium (siehe unter https://breakisolation.net/ und https://www.youtube.com/watch?v=GCP_PUJRfqE oder unter https://www.youtube.com/watch?v=g1Gefs40v_0 ).

Im Willy 2020 habe ich unter anderen gesungen:

„Um uns gegenseitig zu schützen, haben wir seit Wochen Konzerte, Partys und Versammlungen abgesagt. Wir haben aus Solidarität und Verantwortungsgefühl für alle Menschen weltweit gehandelt.

Und als alter Anarcho muss ich dir sagen:

Meine persönliche Freiheit möchte ich mir selbst beschneiden und nicht von einem Herrn Söder oder Kurz oder Macron beschneiden lassen, den ich nie in meinem Leben gewählt hätte. Pfeifen wir auf das Patriarchat!

Es muss nicht immer Party sein im Leben, Willy, und grad du verstehst des sicher, hast du doch dein Leben riskiert, um Faschisten deine Meinung zu sagen.“

Mein Freund, Professor Dr. med Rolf Verres, ein Facharzt für Psychotherapeutische Medizin und ein großartiger Pianist, schrieb neulich:

„Die Gesichtsmaske und die weiteren Hygienemaßnahmen werden in erster Linie als Maßnahmen von Abgrenzung verstanden. Ein körperlicher Abstand muss aber keineswegs eine seelische Nähe ausschließen. Wer wirklich verstanden hat, dass solche Maßnahmen nicht nur dem eigenen Schutz dienen, sondern ebenso dem Schutz der Anderen, hat die wichtigste Voraussetzung für solidarisches Handeln entdeckt. Zu den so verstandenen Kraftquellen gehört also nicht nur die Leistung, sondern auch der Verzicht, die Rücksichtnahme. Auch das kann die Gesichtsmaske symbolisieren: ich muss nicht immer und überall mein Ego präsentieren, sondern ich kann auch unscheinbar, kaum erkennbar und bescheiden auftreten, vielleicht sogar etwas Demut empfinden, während ich mich in eine Warteschlange einreihe und mich an die neuerdings geforderten Vorsichtsregeln halte. Der Schutz des Lebens ist unbedingt wichtiger als der Wunsch des Einzelnen nach Ego-Trips und uneingeschränkter Freiheit.“

Dem schließe ich mich uneingeschränkt an.

Und ich teile die Position meines Künstlerkollegen Christian Springer, der klargestellt hat in seinem Beitrag „Anleitung zur Corona-Demo“ in Berlin: „Übrigens, ich bin auch gegen Corona. Ich kenne auch überhaupt gar keinen, der für Corona ist. Der Unterschied ist nur, ich renne deswegen nicht mit Faschisten mit.“

Wenn in Berlin Tausende ohne Masken und Abstand demonstrieren und das auch noch von den OrganisatorInnen in ihrer rechten Propaganda als freiheitliches und demokratisches Handeln gefeiert wird, muss man doch dringend das Demokratieverständnis dieser Leute hinterfragen.

Zuerst einmal heißt demokratisch fühlen und handeln nicht, andere auf Grund einer eigenen Überzeugung – wie gesichert sie einem auch scheinen mag – zu gefährden. Und es ist ganz sicher kein Zeichen von demokratischer Gesinnung, sich an krude Verschwörungstheorien zu klammern oder vor, mit oder hinter Reichskriegsflaggen und anderen rechten Fahnen und Parolen zu marschieren.

Ich werde nie auf Demos mitlaufen, an denen Neonazis, Querfrontstrategen der Neuen Rechten, Antisemiten, Reichsbürger, braune Kameradschaften oder AfD-ler beteiligt sind. Und vor allem nicht auf Demos, die von selbsternannten Saubermännern organisiert sind, die sich gemein machen mit rechten und rassistischen Propagandisten der neuen und alten Rechten. Denen geht es doch weder um Grundrechte noch um Freiheit für alle Menschen.

„Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen“, wie mein Freund, der frühere Widerstandskämpfer und KZ-Überlebende Martin Löwenberg (12. Mai 1925 – 2. April 2018) stets betont hat.

Begeistert haben mich in den letzten Monaten nicht die braunen und verstrahlten Menschenfänger und selbsternannten Corona-Rebellen von Stuttgart über München bis Berlin. Dieser Name Corona-Rebellen hat mich übrigens von Anfang an irritiert: Denn mir blieb es ein Rätsel, wie sie gegen einen Virus ernsthaft und erfolgreich rebellieren wollen? Aber hier haben mir die Trumps, Johnsons, Erdogans und Bolsanaros und ihre deutschen Karikaturen – übrigens fast ausschließlich narzisstische Männer – die Augen geöffnet: Narzisstische Persönlichkeiten und ihre Fanclubs haben ja bekanntermaßen Probleme, unerwünschte Realitäten anzuerkennen bzw. ihre interessensgeleitete Weltsicht kritisch zu hinterfragen.

Begeistert haben mich dagegen die weltweite Anti-Rassismus-Bewegung „Black Lives Matter“ und die globale Klimabewegung wie zum Beispiel von „Fridays for Future“. So viele blitzgescheite junge Menschen – das macht Mut. Wir dürfen das Feld nicht den Rechten überlassen.

Der kanadische Psychologe Steven Taylor schrieb übrigens schon ein paar Monate vor dem Corona-Ausbruch in Wuhang in seinem Buch „Die Pandemie als psychologische Herausforderung“:

„Im Zuge einer kommenden Pandemie lässt sich davon ausgehen, dass verschiedene Verschwörungstheorien über Quelle oder Ursache und über mögliche Impfstoffe kursieren werden. Verschwörungstheorien sind im Allgemeinen Versuche, die Ursachen bedeutsamer Ereignisse durch die Behauptung zu erklären, dass sie auf geheime Pläne mächtiger Akteure zurückgehen (…). Mehr als ein Drittel der Amerikaner glaubt an die Verschwörungstheorie, dass der Klimawandel eine Täuschung sei, die durch Gruppen mit starken Eigeninteressen forciert und aufrechterhalten wird (…)“

Wir leben in Zeiten einer globalen Pandemie, die bereits bald einer Million Menschen weltweit das Leben gekostet hat und deren Folgen die ökologischen und sozialen Verwüstungen des Neoliberalismus und des Patriarchats noch weiter verschärfen wird. Im Kampf um eine gerechtere Welt gilt es deshalb heute umso deutlicher zu sagen: „Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg!“ Denn wir wollen menschliche und solidarische Alternativen aufbauen. Und die Gefahr ist groß: Die braunen Menschenfänger haben schon immer in Zeiten von Angst und sozialer Not falsche Versprechungen gemacht und zugleich Ausgrenzung, Rassismus und die Verfolgung von Andersdenkenden und Minderheiten forciert.

Dies ist ein Auszug aus der letzten Notiz vom 26.08.2020.

https://wecker.de/de/weckers-welt/item/856-Blick-nach-vorne-in-stuermischen-Zeiten----zum-Ende-meines-Projekts-Hinter-den-Schlagzeilen.html

Konstantin Wecker

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Zwei Konzerte von Konstantin Wecker am 2. und 10. Oktober 2020 

mit MusikerInnen seines Labels Sturm & Klang

 

Medienpartner

Spenden-Aufruf: Wir brauchen Eure Hilfe!

für die Streaming-Konzerte am 2.10.2020 und am 10.10.2020 jeweils um 20:30 Uhr | 

live & relive auf br.de/kultur, YouTube WeckersWelt & www.wecker.de

 

Liebe Freundinnen, liebe Freunde,

wir brauchen dringend eure Hilfe und deshalb bitte ich euch erneut um Unterstützung: Ihr wisst es ja alle, die Covid-19-Pandemie trifft besonders viele freie KünstlerInnen und MusikerInnen sehr hart. Leider wird es nun auch in den nächsten Monaten kaum Live-Konzerte geben können und wenn, dann nur mit wenigen ZuschauerInnen und damit sehr geringen Einkünften. Viele meiner KollegInnen wissen längst nicht mehr, von was sie in den nächsten Monaten ihre Mieten bezahlen sollen und wie es überhaupt weiter geht. Und außerdem haben wir alle eine große Sehnsucht nach unseren Liedern und unseren Fans!

Deshalb will ich gemeinsam mit vielen MusikerInnen meines Labels Sturm & Klang endlich wieder für euch spielen und singen: Am Freitag, dem 2. Oktober, und am Samstag, dem 10. Oktober 2020 jeweils um 20.30 Uhr bei zwei großen kostenlosen Streaming-Konzerten.

Mit mir auftreten werden KünstlerInnen meines Labels Sturm & Klang wie Tamara Banez, Miriam Green, Sarah Straub, Josef Hien, Vivek, Prinzessin & Rebell Erwin R. und Dominik Plangger: Sie werden alle jeweils ein Lied von mir – manchmal auch mit mir ­– und ein eigenes singen.

Ich werde erneut umsonst spielen, noch geht es bei mir: Doch für meine KollegInnen und vor allem für alle, die zum Gelingen eines Konzertes so überlebenswichtig sind wie unsere Studio- und Ton-TechnikerInnen, unsere Kameraleute und unser Team vom Regisseur bis zum Redakteur, brauche ich eure Spenden, damit wir die Unkosten und ihre Honorare, auf die sie angewiesen sind, decken können.     

Dank eurer großartigen Unterstützung konnten wir im März, April und Mai bereits drei tolle kostenlose Live-Streaming-Konzerte organisieren: Fast 325.000 Mal wurden diese drei Konzerte bisher angeschaut. Dazu kommen fast 140.000 BesucherInnen beim Live-Mitschnitt meines Willy 2020 - sie sind übrigens alle weiterhin auf wecker.de kostenlos abrufbar! Fast 70.000 € Spenden von euch haben damals unseren Studio- und TontechnikerInnen, aber vor allem auch den an den drei Konzerten beteiligten KünstlerInnen extrem geholfen, den Lockdown zu überstehen. Darüber hinaus konnten wir weitere notleidende KünstlerInnen meines Labels und humanitäre Projekt mit 27.500 € unterstützen.  

Leider wird in der aktuellen Krise vor allem wieder einmal die Luftfahrt-, Auto- und Rüstungsindustrie von unseren Steuergeldern unterstützt. Der freien und unabhängigen Kunst- und Kulturszene droht dagegen schon bald der Kampf ums nackte Überleben. Die Hilfen sind bisher meist Flickwerk. Und warum? Weil der Aufruf vieler PolitikerInnen zur „Solidarität“ leider nicht für alle gilt: Wann wird eigentlich endlich von all den vielen Immobilien-Investment-Gesellschaften und EigentümerInnen „gesellschaftliche Solidarität“ eingefordert? Während die einen ohne Einkommen immer ärmer werden, profitieren die anderen einfach weiter. Wäre es zu viel verlangt, wenn die Besitzenden bis zum Ende der Pandemie auf ihre ohnehin unverschämt teuren Mieten verzichten müssen? Das wäre eine sinnvolle Maßnahme gegen die sozialen Auswirkungen einer einzigartigen Pandemie: Wie viele Kulturprojekte, Clubs und KünstlerInnen würden diese Krise überstehen können, wenn sie nicht ihre letzten Reserven Miethaien in den Rachen werfen müssten (ich spreche nicht von privaten Vermietern, die hoffentlich schon längst ihren langjährigen Mietern von sich aus einen großzügige Mietnachlass gewährt haben)? Auch dafür wollen wir singen! 

Ich danke euch und freu mich unbandig auf unsere beiden Konzerte Anfang Oktober. Und wenn ihr uns mit einigen oder auch vielen Euros unterstützen könntet, würde uns das sehr helfen!

Euer

Konstantin

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