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heike schrieb am 29. Februar 2024
Leo Tolstoi: "Wovon die Menschen leben" "Wir wissen, dass wir aus dem Tode in das Leben gekommen sind, denn wir lieben die Brüder. Wer die Brüder nicht liebet, der bleibet im Tode. 1. Joh.3,14. Wenn aber jemand dieser Welt Güter hat, und siehet seinen Bruder darben, und schließt sein Herz vor ihm zu, wie bleibet die Liebe Gottes bei ihm? 3,17. Meine Kindlein, lasset uns nicht lieben mit Worten, noch mit der Zunge, sondern mit der Tat und mit der Wahrheit. 3,18. Die Liebe ist geboren von Gott, und wer lieb hat, der ist von Gott geboren und kennet Gott. 4,7. Wer nicht lieb hat, der kennet Gott nicht; denn Gott ist Liebe. 4,8. Niemand hat Gott jemals gesehen. So wir uns untereinander lieben, so bleibet Gott in uns. 4,12. Gott ist Liebe, und wer in der Liebe bleibet, der bleibet in Gott, und Gott in ihm. 4,16. So jemand spricht: Ich liebe Gott, und hasset seinen Bruder, der ist ein Lügner. Denn wer seinen Bruder nicht liebet, den er siehet, wie kann er Gott lieben, den er nicht siehet? 4,20. "I" Ein Schuster wohnte mit Frau und Kindern bei einem Bauern zur Miete. Er besaß weder ein eigenes Haus noch ein Stück Land und ernährte sich und die Seinen durch seine Schusterarbeit. Das Brot war teuer und die Arbeit billig; alles, was er verdiente, wurde sofort verzehrt. Der Schuster und seine Frau hatten zusammen nur einen Pelz, und dieser war schon arg zerfetzt; seit zwei Jahren hatte der Schuster die Absicht, sich Schaffelle zu einem neuen Pelz zu kaufen. Im Herbst hatte der Schuster etwas Geld gespart: seine Frau hatte in der Truhe einen Dreirubelschein liegen, und die Bauern im Dorf schuldeten ihm noch fünf Rubel und zwanzig Kopeken. Eines Morgens rüstete sich der Schuster, ins Dorf zu gehen,... Weiterlesen
Leo Tolstoi: "Wovon die Menschen leben" "Wir wissen, dass wir aus dem Tode in das Leben gekommen sind, denn wir lieben die Brüder. Wer die Brüder nicht liebet, der bleibet im Tode. 1. Joh.3,14. Wenn aber jemand dieser Welt Güter hat, und siehet seinen Bruder darben, und schließt sein Herz vor ihm zu, wie bleibet die Liebe Gottes bei ihm? 3,17. Meine Kindlein, lasset uns nicht lieben mit Worten, noch mit der Zunge, sondern mit der Tat und mit der Wahrheit. 3,18. Die Liebe ist geboren von Gott, und wer lieb hat, der ist von Gott geboren und kennet Gott. 4,7. Wer nicht lieb hat, der kennet Gott nicht; denn Gott ist Liebe. 4,8. Niemand hat Gott jemals gesehen. So wir uns untereinander lieben, so bleibet Gott in uns. 4,12. Gott ist Liebe, und wer in der Liebe bleibet, der bleibet in Gott, und Gott in ihm. 4,16. So jemand spricht: Ich liebe Gott, und hasset seinen Bruder, der ist ein Lügner. Denn wer seinen Bruder nicht liebet, den er siehet, wie kann er Gott lieben, den er nicht siehet? 4,20. "I" Ein Schuster wohnte mit Frau und Kindern bei einem Bauern zur Miete. Er besaß weder ein eigenes Haus noch ein Stück Land und ernährte sich und die Seinen durch seine Schusterarbeit. Das Brot war teuer und die Arbeit billig; alles, was er verdiente, wurde sofort verzehrt. Der Schuster und seine Frau hatten zusammen nur einen Pelz, und dieser war schon arg zerfetzt; seit zwei Jahren hatte der Schuster die Absicht, sich Schaffelle zu einem neuen Pelz zu kaufen. Im Herbst hatte der Schuster etwas Geld gespart: seine Frau hatte in der Truhe einen Dreirubelschein liegen, und die Bauern im Dorf schuldeten ihm noch fünf Rubel und zwanzig Kopeken. Eines Morgens rüstete sich der Schuster, ins Dorf zu gehen, um die Felle zu kaufen. Er zog sich über das Hemd die wattierte baumwollene Jacke seiner Frau und darüber seinen Kaftan aus Tuch, steckte sich den Dreirubelschein in die Tasche, brach sich einen Stecken ab, frühstückte und machte sich auf den Weg. Er sagte sich: "Ich bekomme fünf Rubel von den Bauern, lege meine drei Rubel dazu und kaufe mir das Fell für den Pelz." Der Schuster kam ins Dorf und ging zu einem seiner Schuldner; dieser war nicht zu Hause, und seine Frau versprach, das Geld im Laufe der Woche zu schicken, gab ihm aber keinen Heller; der zweite Schuldner, den er aufsuchte, schwor, keine Geld zu haben, und zahlte ihm nur zwanzig Kopeken für das Ausbessern eines Paares Stiefel. Der Schuster wollte dann die Schaffelle auf Borg nehmen. Doch der Gerber wollte ihm nichts auf Borg geben. "Wenn du bares Geld bringst, kannst du dir Ware nach deinem Belieben aussuchen; ich weiß ja gut, was es heißt, solche Schulden einzutreiben." So hatte der Schuster nichts ausgerichtet; er hatte nur die zwanzig Kopeken einkassiert und von einem Bauern den Auftrag bekommen, ein Paar alte Filzstiefel mit Leder zu besetzen. Der Schuster war sehr betrübt; er trank für die zwanzig Kopeken Schnaps und ging ohne Felle nach Hause. Als er morgens ins Dorf ging, fror es ihn; doch jetzt, nachdem er den Schnaps getrunken, fühlte er sich auch ohne Pelz erwärmt. So geht der Schuster seinen Weg, klopft mit dem Stecken auf die mit einer Eiskruste überzogenen Steine, schwenkt mit der anderen Hand die Filzstiefel hin und her und redet mit sich selbst: "Auch ohne Pelz ist mir warm. Das Gläschen, das ich getrunken, brennt mir in allen Adern. Ich brauche überhaupt keinen Pelz. Meinen Kummer habe ich schon vergessen. So ein Mensch bin ich. Was brauche ich denn überhaupt? Ich kann gut ohne Pelz auskommen. Auch ohne Pelz werde ich mein Leben beschließen. Allerdings wird sich mein Weib grämen. Es ist ja auch wirklich ärgerlich: ich muss mich für den Bauern abmühen, und er zieht die Bezahlung immer hinaus. Warte nur, mein Lieber! Wenn du mir das Geld nicht bringst, so nehme ich dir deine Mütze! Bei Gott! was soll es denn heißen? Du willst mir wohl die ganze Schuld in Zwanzigkopekenstücken bezahlen? Was kann man denn mit zwanzig Kopeken anfangen? Höchstens ein Glas Schnaps trinken. Du sprichst von deiner Not. Leide ich denn keine Not? Du hast ja ein Haus und Vieh und eine ganze Wirtschaft, ich aber habe nichts als das, was ich an mir trage; du hast dein eigenes Brot, und ich muss mir welches kaufen. Wo man´s hernimmt, bleibt sich gleich, aber drei Rubel gibt man in der Woche alleine für Brot aus. Wenn ich nach Hause komme, heißt es gleich, das Brot sei zu Ende. Nun muss ich wieder eineinhalb Rubel auslegen. Ich brauche also wirklich mein Geld!" Als sich der Schuster der Kapelle an der Straßenbiegung näherte, sah er hinter der Kapelle etwas Weißes schimmern. Es dämmerte schon; der Schuster sah aufmerksam hin, konnte aber nicht erkennen, was es war. "Ein Stein hat hier vorhin nicht gelegen. Sollt´s ein Tier sein? Nein, es sieht nicht wie ein Tier aus. Eher ist´s ein Mensch, doch warum so weiß? Was sollte auch ein Mensch hier tun?" Als er näher herankam, konnte er es gut sehen. Ein wahres Wunder: Ein nackter Mensch, tot oder lebendig, saß unbeweglich auf der Erde, an die Kapelle gelehnt. Der Schuster erschrak und dachte sich: "Man hat hier einen Menschen umgebracht, ausgeraubt und nackt liegen gelassen. Wenn ich herangehe und mich in die Sache einmische, bekomme ich gleich die ganze Obrigkeit auf den Hals." Der Schuster ging weiter. Während er um die Kapelle herumging, war der Leichnam nicht mehr zu sehen. Als er aber ein Stück weitergegangen war und sich umblickte, sah er, dass der Mensch, den er für tot hielt, sich von der Mauer wegrückte und ihm nachsah. Er erschrak noch mehr und sagte sich: "Soll ich umkehren oder meinen Weg weitergehen? Wenn ich auf ihn zugehe, kann es leicht schlimm enden - wer weiß, wer er ist? Es sind sicher keine guten Werke, für die er hergeraten ist. Wenn ich mich ihm nähere, kann er aufspringen und mich erwürgen; dann bleibe ich hier liegen. Und wenn er mich nicht erwürgt, habe ich nur eine neue Sorge. Was soll ich mit dem Nackten anfangen? Ich kann mir doch wirklich nicht meine letzten Kleider vom Leibe reißen und sie ihm geben. Möge Gott mich nur glücklich nach Hause führen!" Der Schuster ging schneller; als er die Kapelle beinahe aus dem Gesicht verloren hatte, bekam er Gewissensbisse. Der Schuster blieb wieder stehen und sagte sich: "Was tust du denn, Semion? Ein Mensch geht hier zugrunde, und du bist so feig, dass du ihn in seinem Unglück liegen lässt. Oder bist du plötzlich reich geworden und fürchtest, dass man dir deinen Reichtum nimmt? Nein, Semion, das war nicht gut getan!" " Die Geschichte geht noch weiter, ich schreibe später den Rest auf. Die Welt ist voll von Milliarden Geschichten, genau wie von Milliarden Schicksalen. Ich möchte meine Sprache nicht verlieren. Sprache gehört zum Denken und Denken gehört zum Menschsein, genau wie Fühlen. Tiere haben so gut wie keine Sprache, aber sie haben viel Fühlen. Es ist wirklich eine sehr schöne Geschichte, und wenn ich nicht so k.o. wäre, würde ich sie gleich weiter aufschreiben. Noch ein schöner Spruch aus dem Talmud zum Schluss: "Jeder Einzelne soll sich sagen: Für mich ist die Welt erschaffen worden, daher bin ich mit verantwortlich." Jeder Mensch steht in anderen Verbindungen zu anderen Menschen, deshalb ist es auch ganz verschieden, was Menschen in ihrem Leben tun. Schön wäre es, wenn mit jeder weiteren Menschheitsgeneration mehr Liebe in der Welt verbleiben würde. Das geht, wenn man Menschen in ihrem Unglück nicht allein lässt, sondern hilft, so wie es einem möglich ist. Putin ist kein Monster und die amerikanischen Lügensgeschichten, die uns aufgetischt werden, um westliche Hegemonialansprüche weiter durchzusetzen, machen die Welt nicht besser.... Einklappen
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