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heike schrieb am 3. März 2024
Kapitel VII: "Und Semion sagte zu Michailo: "Wir haben die Arbeit genommen und müssen jetzt sehen, dass wir durch sie nicht ins Unglück geraten. Das Leder ist teuer, und der Herr ist böse. Dass wir es ihm nur recht machen! Du hast ja schärfere Augen und auch geschicktere Hände: hier hast du das Maß, schneide das Leder zu; ich werde indes die andere Arbeit fertignähen." Michailo gehorchte; er nahm das Leder, das der Herr gebracht hatte, legte es doppelt zusammen, breitete es auf dem Tische aus, nahm das Messer und begann zuzuschneiden. Matriona kam hinzu. Sie sah, wie Michailo arbeitete, und wunderte sich über seine Arbeit. Sie verstand etwas vom Schuster-Handwerk und merkte, dass Michailo das Leder nicht zu Schaftstiefeln, sondern zu leichten Schuhen zuschnitt. Matriona wollte den Gesellen fragen, was er denn mache; doch sie dachte sich: "Ich habe wohl nicht richtig verstanden, was für Stiefel der Herr haben wollte. Michailo wird es besser wissen. Ich will mich nur lieber nicht einmischen." Nachdem Michailo das Leder zugeschnitten, nahm er einen Pechdraht und begann zu nähen. Er nahm aber den Draht nicht doppelt, wie man es bei Stiefeln tut, sondern einfach, wie man Pantoffeln näht. Wieder wunderte sich Matriona, mischte sich aber nicht ein. Michailo nähte immer weiter. Als es Zeit war, zu Mittag zu essen, stand Semion von seiner Bank auf und sah, dass Michailo aus dem teuren Leder ein Paar leichte Schuhe genäht hatte. Semion war außer sich. "Wie kommt es", fragte er sich, "dass Michailo, der sich während der ganzen Zeit noch nie irrte, plötzlich solches Unheil anrichtet? Der Herr hat Randstiefel mit hohen Schäften bestellt, er aber hat Pantoffeln ohne Absätze gemacht und das ganze Leder verschnitten. Wie stehe ich jetzt da? Solches Leder werde ich wohl nirgends auftreiben können." Und er sagte zu Michailo: "Was... Weiterlesen
Kapitel VII: "Und Semion sagte zu Michailo: "Wir haben die Arbeit genommen und müssen jetzt sehen, dass wir durch sie nicht ins Unglück geraten. Das Leder ist teuer, und der Herr ist böse. Dass wir es ihm nur recht machen! Du hast ja schärfere Augen und auch geschicktere Hände: hier hast du das Maß, schneide das Leder zu; ich werde indes die andere Arbeit fertignähen." Michailo gehorchte; er nahm das Leder, das der Herr gebracht hatte, legte es doppelt zusammen, breitete es auf dem Tische aus, nahm das Messer und begann zuzuschneiden. Matriona kam hinzu. Sie sah, wie Michailo arbeitete, und wunderte sich über seine Arbeit. Sie verstand etwas vom Schuster-Handwerk und merkte, dass Michailo das Leder nicht zu Schaftstiefeln, sondern zu leichten Schuhen zuschnitt. Matriona wollte den Gesellen fragen, was er denn mache; doch sie dachte sich: "Ich habe wohl nicht richtig verstanden, was für Stiefel der Herr haben wollte. Michailo wird es besser wissen. Ich will mich nur lieber nicht einmischen." Nachdem Michailo das Leder zugeschnitten, nahm er einen Pechdraht und begann zu nähen. Er nahm aber den Draht nicht doppelt, wie man es bei Stiefeln tut, sondern einfach, wie man Pantoffeln näht. Wieder wunderte sich Matriona, mischte sich aber nicht ein. Michailo nähte immer weiter. Als es Zeit war, zu Mittag zu essen, stand Semion von seiner Bank auf und sah, dass Michailo aus dem teuren Leder ein Paar leichte Schuhe genäht hatte. Semion war außer sich. "Wie kommt es", fragte er sich, "dass Michailo, der sich während der ganzen Zeit noch nie irrte, plötzlich solches Unheil anrichtet? Der Herr hat Randstiefel mit hohen Schäften bestellt, er aber hat Pantoffeln ohne Absätze gemacht und das ganze Leder verschnitten. Wie stehe ich jetzt da? Solches Leder werde ich wohl nirgends auftreiben können." Und er sagte zu Michailo: "Was hast du angestellt, mein Lieber? Du bringst mich um! Der Herr hat Stiefel bestellt, und was hast du da genäht?" Kaum hatte er mit seinen Vorwürfen begonnen, als jemand mit dem Ring vor der Tür klopfte. Sie blickten zum Fenster hinaus und sahen, dass ein Berittener vor dem Hause hielt und sein Pferd draußen anband. Sie öffneten die Türe: der Bursche des Herrn trat in die Stube. "Grüß Gott!" "Grüß Gott! Was willst du?" "Mich schickt die gnädige Frau der Stiefel wegen." "Was ist denn mit den Stiefeln?" "Ja, der Herr braucht eben keine Stiefel mehr. Der Herr ist eben verschieden." "Was sagst du da?" "Wie er von euch nach Hause fuhr, ist er unterwegs im Wagen gestorben. Als der Wagen vor dem Hause hielt und man ihm heraushelfen wollte, fiel er um wie ein Sack. Er war schon ganz erstarrt, mit Mühe und Not zogen wir ihn aus dem Wagen heraus. Nun hat mich die Frau hergeschickt: >Sag dem Schuster, dass der Herr, der vorhin da war und sein Leder zurückgelassen hat, die Stiefel nicht mehr braucht; statt der Stiefel soll er schnell ein Paar Leichenschuhe nähen. Warte, bis die Schuhe fertig sind, und bringe sie gleich mit.< Darum bin ich hergekommen." Michailo nahm die Lederreste vom Tisch, rollte sie zusammen, nahm auch die fertigen Leichenschuhe in die Hand, schlug einen in den anderen, wischte sie mit der Schürze ab und reichte sie dem Burschen. Der Bursche nahm die Schuhe und sagte: "Lebt wohl, Meister und Meisterin! Guten Tag!"... Einklappen
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