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heike schrieb am 3. März 2024
Kapitel VIII: "So verging das zweite Jahr und das dritte Jahr; sechs Jahre wohnte Michailo bereits bei Semion. Seine Lebensweise war dieselbe geblieben. Er ging nie aus, sprach kein unnützes Wort und hatte während der ganzen Zeit nur zweimal gelächelt: das eine Mal, als ihm Matriona das Abendbrot reichte, und das zweite Mal als er den Herrn sah. Semion war mit seinem Gesellen immer zufrieden. Er fragte ihn auch nie mehr, woher er stammte; er fürchtete nur das eine, dass Michailo ihn verlassen möchte. Einmal saßen sie alle zu Hause. Die Meisterin machte sich am Herd zu schaffen, die Kinder sprangen auf den Bänken herum und blickten zu den Fenstern hinaus. Semion nähte vor dem einem Fenster, Michailo nagelte or dem anderen Fenster an einem Absatz. Ein Junge lief zu Michailo heran, lehnte sich an seine Schulter und sah zum Fenster hinaus. "Onkel Michailo, sieh mal hin: Die Kaufmannsfrau mit d3n Mädchen will wohl zu uns? Eines der Mädchen hinkt." Als der Junge dies gesagt hatte, ließ Michailo seine Arbeit liegen, wandte sich zum Fenster und blickte auf die Straße. Darüber wunderte sich Semion. Michailo hatte ja noch nie auf die Straße geschaut, jetzt sah er aber unverwandt zum Fenster hinaus und konnte sich gar nicht satt sehen. Auch Semion sah hinaus: auf sein Haus ging wirklich eine sauber gekleidete Frau zu und führte an jeder Hand ein kleines Mädchen. Die Mädchen trugen Pelzmäntel und bunt gemusterte Kopftücher und sahen einander so ähnlich, dass man sie kaum voneinander unterscheiden konnte. Nur war bei einem der Mädchen der linke Fuß verkrüppelt, und das Kind hinkte. Die Frau kam in den Hausflur und fand tastend die Türklinke. Sie ließ zuerst die beiden Mädchen eintreten und kam dann selbst in die Stube. "Grüß Gott, Meister und Meisterin!" "Willkommen! Womit kann ich dienen?" Die... Weiterlesen
Kapitel VIII: "So verging das zweite Jahr und das dritte Jahr; sechs Jahre wohnte Michailo bereits bei Semion. Seine Lebensweise war dieselbe geblieben. Er ging nie aus, sprach kein unnützes Wort und hatte während der ganzen Zeit nur zweimal gelächelt: das eine Mal, als ihm Matriona das Abendbrot reichte, und das zweite Mal als er den Herrn sah. Semion war mit seinem Gesellen immer zufrieden. Er fragte ihn auch nie mehr, woher er stammte; er fürchtete nur das eine, dass Michailo ihn verlassen möchte. Einmal saßen sie alle zu Hause. Die Meisterin machte sich am Herd zu schaffen, die Kinder sprangen auf den Bänken herum und blickten zu den Fenstern hinaus. Semion nähte vor dem einem Fenster, Michailo nagelte or dem anderen Fenster an einem Absatz. Ein Junge lief zu Michailo heran, lehnte sich an seine Schulter und sah zum Fenster hinaus. "Onkel Michailo, sieh mal hin: Die Kaufmannsfrau mit d3n Mädchen will wohl zu uns? Eines der Mädchen hinkt." Als der Junge dies gesagt hatte, ließ Michailo seine Arbeit liegen, wandte sich zum Fenster und blickte auf die Straße. Darüber wunderte sich Semion. Michailo hatte ja noch nie auf die Straße geschaut, jetzt sah er aber unverwandt zum Fenster hinaus und konnte sich gar nicht satt sehen. Auch Semion sah hinaus: auf sein Haus ging wirklich eine sauber gekleidete Frau zu und führte an jeder Hand ein kleines Mädchen. Die Mädchen trugen Pelzmäntel und bunt gemusterte Kopftücher und sahen einander so ähnlich, dass man sie kaum voneinander unterscheiden konnte. Nur war bei einem der Mädchen der linke Fuß verkrüppelt, und das Kind hinkte. Die Frau kam in den Hausflur und fand tastend die Türklinke. Sie ließ zuerst die beiden Mädchen eintreten und kam dann selbst in die Stube. "Grüß Gott, Meister und Meisterin!" "Willkommen! Womit kann ich dienen?" Die Frau setzte sich an den Tisch, und die Mädchen schmiegten sich an ihre Knie: sie schienen etwas menschenscheu." "Ich will meinen Mädchen zum Frühjahr Lederschuhe machen lassen." "Das kann ich wohl machen. Wir haben zwar für so kleine Kinder noch nie gearbeitet, werden es aber fertigbringen. Man kann den Kindern Randschuhe nähen, oder auch umgewendete Schuhe mit Leinenfutter. Mein Geselle Michailo ist ein tüchtiger Arbeiter." Semion blickte sich nach Michailo um und sah, dass dieser seine Arbeit liegengelassen hatte und unverwandt auf die Mädchen starrrte. Auch darüber war Semion sehr erstaunt. Die Mädchen waren allerdings nett: schwarzäugig, rotbackig, rund, und schön gekleidet; und doch konnte Semion nicht begreifen, warum Michailo sie so anstarrte, als ob er sie von früher her kenne. Semion schüttelte vor Erstaunen den Kopf und begann mit der Frau über den Preis zu unterhandeln. Nachdem sie handelseinig geworden waren, faltete er einen Papierstreifen zum Maßnehmen. Die Frau hob das lahme Mädchen auf den Schoß und sagte: "Bei ihr musst du von jedem Fuß ein eigenes Maß nehmen. Für das lahme Füßchen nähe einen Schuh und für das gesunde drei Schuhe. Beide Mädchen haben ganz gleiche Füße: sie sind Zwillinge." Semion nahm Maß und fragte, indem er das lahme Kind anblickte: "Wie kommt das Kind zu einem solchen Fuß? Das Mädchen ist ja so hübsch. Hat sie das von Geburt?" "Nein, die Mutter hat ihr das Füßchen eingedrückt." Matriona mischte sich ein: sie wollte gar zu gerne wissen, wer die Frau sei und wem die Kinder gehörten. "Bist du denn nicht ihre Mutter?" "Nein, Meisterin, ich bin nicht ihre Mutter und nicht einmal ihre Verwandte; es sind fremde Kinder, die ich an Kindes Statt angenommen habe." "Fremde Kinder, und du bemutterst sie so?" "Wie sollte ich sie nicht bemuttern? An meiner Brust habe ich die beiden großgezogen. Ich hatte wohl auch ein eigenes Kind, doch Gott hat 3es mir genommen. Ich habe aber das eigene Kind nicht so lieb gehabt, wie ich diese liebe." "Wessen Kinder sind es denn?" "... Einklappen
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