Freunde
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Kapitel IX: "Die Frau wurde gesprächig und erzählte: "Es war vor sechs Jahren. In einer Woche haben die Kinder beide Eltern verloren: den Vater hatte man am Dienstag begraben, und die Mutter starb gleich am Freitag. Der Vater starb drei Tage vor der Geburt der Kinder, die Mutter kaum einen Tag nach der Geburt. In jener Zeit lebte ich mit meinem Mann im Dorf, und die Leute waren unsere nächsten Nachbarn. Der Vater der Kinder arbeitete im Wald. Ein Baum fiel auf ihn, quer über seinen Körper, und traf ihn mit solcher Wucht, dass ihm die Eingeweide heraustraten. Kaum hatte man ihn nach Hause gebracht, als er seinen Geist aufgab. Die Bäuerin gebar aber in der gleichen Woche Zwillinge, eben diese beiden Mädchen. Die Leute lebten arm und einsam, und die Frau war ganz allein im Haus, hatte weder eine Alte noch ein Mädchen. Sie war allein, als sie die Kinder zur Welt brachte, und allein, als sie starb. Als ich am nächsten Morgen zu ihr kam, um nach ihr zu sehen, war die Arme schon erstarrt. Im Todeskampf hatte sie einem der Mädchen - dem da - das Füßchen eingedrückt und verrenkt. Die Bauern kamen ins Haus, wuschen und bekleideten die Leiche, zimmerten einen Sarg und beerdigten die Frau. Alles machten die guten Leute. Die Mädchen waren nun allein auf der Welt. Was sollte man mit ihnen anfangen? Ich war die einzige Frau im Dorf, die um jene Zeit ein Kind stillte. Mein Erstgeborener war damals acht Wochen alt. Ich nahm also die Mädchen vorläufig zu mir. Die Bauern hielten Rat, was man mit den Kindern anfangen sollte; sie sagten mir: > Behalte die Kinder vorläufig bei dir, Maria, wir werden uns inzwischen überlegen, wie man sie unterbringen kann ...< Ich reichte die Brust zuerst dem unversehrten Kind, denn... Weiterlesen
Kapitel IX:
"Die Frau wurde gesprächig und erzählte:
"Es war vor sechs Jahren. In einer Woche haben die Kinder beide Eltern verloren: den Vater hatte man am Dienstag begraben, und die Mutter starb gleich am Freitag. Der Vater starb drei Tage vor der Geburt der Kinder, die Mutter kaum einen Tag nach der Geburt. In jener Zeit lebte ich mit meinem Mann im Dorf, und die Leute waren unsere nächsten Nachbarn. Der Vater der Kinder arbeitete im Wald. Ein Baum fiel auf ihn, quer über seinen Körper, und traf ihn mit solcher Wucht, dass ihm die Eingeweide heraustraten. Kaum hatte man ihn nach Hause gebracht, als er seinen Geist aufgab. Die Bäuerin gebar aber in der gleichen Woche Zwillinge, eben diese beiden Mädchen. Die Leute lebten arm und einsam, und die Frau war ganz allein im Haus, hatte weder eine Alte noch ein Mädchen.
Sie war allein, als sie die Kinder zur Welt brachte, und allein, als sie starb.
Als ich am nächsten Morgen zu ihr kam, um nach ihr zu sehen, war die Arme schon erstarrt. Im Todeskampf hatte sie einem der Mädchen - dem da - das Füßchen eingedrückt und verrenkt. Die Bauern kamen ins Haus, wuschen und bekleideten die Leiche, zimmerten einen Sarg und beerdigten die Frau. Alles machten die guten Leute. Die Mädchen waren nun allein auf der Welt. Was sollte man mit ihnen anfangen? Ich war die einzige Frau im Dorf, die um jene Zeit ein Kind stillte. Mein Erstgeborener war damals acht Wochen alt. Ich nahm also die Mädchen vorläufig zu mir. Die Bauern hielten Rat, was man mit den Kindern anfangen sollte; sie sagten mir: > Behalte die Kinder vorläufig bei dir, Maria, wir werden uns inzwischen überlegen, wie man sie unterbringen kann ...< Ich reichte die Brust zuerst dem unversehrten Kind, denn ich dachte mir, dass es sich gar nicht verlohne, das erdrückte Kind zu stillen; es werde ja sowieso sterben. Dann aber tat es mir doch leid; wofür sollte die unschuldige Seele leiden? Ich stillte also beide Mädchen; und so gelang es mir, alle drei Kinder - meinen Jungen und die Zwillinge _ aufzuziehen. Ich war um jene Zeit jung und kräftig und hatte genug zu essen. Auch gab mir Gott soviel Milch, dass sie überfloss. Ich stillte immer zwei zugleich, und das dritte musste warten. Wenn eines genug hatte, legte ich das dritte an die Brust. Doch Gott gefiel es, dass ich die beiden fremden Kinder großzog und mein eigenes Kind, als es zwei Jahre alt war, begrub. Mehr Kinder gab mir Gott nicht. Wir sind inzwischen wohlhabend geworden und wohnen jetzt hier in der Mühle, die dem Kaufmann gehört. Mein Mann bekommt ein großes Gehalt und wir leben ohne Sorgen. Eigene Kinder haben wir nicht. Wie einsam wäre doch mein Leben, wenn ich diese Kinder nicht hätte! Wie sollte ich sie nicht lieben! Ich habe ja nur sie: sie sind das Wachs meiner Lebenskerze."
Die Frau umarmte das hinkende Kind mit der einen Hand und wischte sich mit der anderen die Tränen von den Augen. Und Matriona seufzte und sagte:
"Recht hat das Sprichwort: Ohne Vater und Mutter können Kinder leben, ohne Gott aber nicht."
So redeten sie untereinander, da ging plötzlich ein Schein wie Wetterleuchten von der Ecke aus, wo Michailo saß, und erhellte das ganze Zimmer. Alle sahen sich nach Michailo um; er saß still auf seiner Bank, die Hände auf den Knien gefaltet, blickte nach oben und lächelte."... Einklappen